Wenn man sich mit der Anschaffung eines Sevens ernsthafter auseinandersetzt, wird man feststellen - so einfach ist das nicht.
Man schaut sich unzählige Verkaufsanzeigen an, betrachtet mehr oder weniger gelungene Bilder und staunt ob der Preisspanne, in welcher sich solche Autos bewegen.
Bastelbuden aus UK bekommt man für wenige 1000€, das Ende nach oben ist aber fast offen…
Dies muss sowieso jeder für sich selbst ausmachen, klar, maximal der Bankbetreuer und der Partner werden hier vielleicht noch ein Wort mitzusprechen haben.
Im Kapitel Rahmen bin ich schon mal auf dessen Zustand eingegangen, denn dieser bildet nun mal das Grundgerüst jedes Seven.
Toll am Seven ist, dass man bei einer Besichtigung dieser sehr spartanischen Fahrzeuge quasi alles direkt vor sich hat und es kaum versteckte Mängel geben wird. Logisch, Motor und Getriebe wird man zwar ausprobieren, aber nicht unbedingt reinschauen - aber hier ist die Befundung ähnlich wie bei jedem anderen Fahrzeug.
Wenn der Motor kalt sauber anspringt, gut läuft, im betriebswarmen Zustand über das gesamte Drehzahlband gut Leistung hat und nicht qualmt, das Öl frisch aussieht und nicht nach Treibstoff riecht, der Motor äußerlich trocken ist und im Kühlsystem kein Öl und kein übermäßiger Druck herrscht, sollte man hier kaum Ungemacht erwarten, da die meisten Seven mit Vertretern braver Großserienmotoren ausgestattet sind.
Sollte aber das besichtigte Exemplar mit einem heftig leistungsgesteigerten Antrieb ausgestattet sein, ist Vorsicht geboten - denn gerade bei Saugmotoren geht eine Leistungssteigerung mit einer höheren Nenndrehzahl einher, welche auch den Verschleiß in die Höhe treibt.
Auch können getunte Motore bezüglich des Startverhaltens deutlich schlechter sein, als man es vielleicht von seinem Alltagsfahrzeug gewohnt ist, insbesondere wenn große Vergaserquerschnitte und Nockenwellenprofile mit viel Überschneidung zusammenkommen.
In diesem Zusammenhang ist es empfehlenswert, den Verkäufer auch über seinen Fahrstil sowie etwaige Rennstreckenevents, genannt Trackdays, zu interviewen.
So mancher Seven hat sein Leben zwischen Garage und Eissalon verbracht, andere sind hauptsächlich am Trailer zur Rennstrecke gekarrt worden, um dort im letzten Viertel des Drehzahlmesser vermeindlich stärkeren Autos das Fürchten zu lernen. Letzteres macht viel Laune, aber man sollte sich dessen bewusst sein, dass der Verschleiß am Rundstreckenbetrieb um ein Vielfaches höher ist als auf der Straße.
Dies betrifft nicht nur den Motor, sondern auch Aufhängung, Dämpfer, Bremsen, Kupplung, Getriebe usw…
Aus diesem Grund sollte man sich auch den Kauf eines Academy-Caterhams gut überlegen, diese Autos verbrachten ihr frühes Leben eben nahezu ausschließlich auf der Rennstrecke und so etwas geht selten ohne kleinere Blessuren vonstatten. Andererseits sind diese Autos oft sehr gut gewartet worden und preislich manchmal wirklich attraktiv.
Weiter geht es mit dem Getriebe, auch hier - wie bei anderen Autos. Die radikal kurzen Schaltwege werden übrigens manchmal auch mit einem sehr sehr kurzen Schalthebel erkauft, was die Bedienkräfte nach oben treiben kann und der Ergonomie nicht immer dienlich ist. Aber so was ist schnell getauscht. Sollte es beim zügigen Schalten kratzen, sind die Synchronkörper verschlissen. An sich keine unlösbare Aufgabe, nur dazu muss halt das Getriebe erstmal ausgebaut und zweitens vollständig zerlegt werden. Eine schöne Beschäftigung um sein neues Auto erstmal richtig kennen zu lernen oder sein Weihnachtsgeld nachhaltig zu investieren.
Die Getriebe sind übrigens meistens von Ford, Vier- oder Fünfgang, das im Caterham optional verbaute Sechsgang ist eine Eigenentwicklung, welche aber weiterhin am alten Ford T9 basiert. Manche Kitcars besitzen ein neueres Ford MT75, welches keine tauschbare Kupplungsglocke aufweist und ganz aktuelle Caterham haben das Getriebe aus Mazdas MX5 verbaut.
Der Antriebsstrang endet quasi an der Hinterachse.
Hier kann eine Starrachse, eine DeDion oder eine Einzelradaufhängung verbaut sein.
Jede dieser Bauweisen hat ihre Fans, dem Fahrspaß sind dank Heckantrieb alle dienlich.
Das Differential bzw. die Achse sollte auf jeden Fall dicht sein und nicht durch übermäßige Geräusche negativ auffallen. Hierbei sind vor allem bei jüngeren Fahrzeugen die BMW-Differentiale aus dem 1er BMW (Serie 168) zu erwähnen, welche rauh und laut laufen können und insbesondere die Sperre - so verbaut -genießt einen sehr durchwachsenen Ruf.
Differentialsperre ist das nächste Stichwort, Könner haben mehr Fahrspaß damit, Einsteiger können aber mit dem so etwas schneller und vor allem nachhaltiger wegwischenden Heck einfacher überfordert sein.
Zum Antriebsstrang gehört auch die Kupplung.
Diese hat mit den leichten Autos nicht den schwersten Job, aber bei manchen Autos die linke Wade des Fahrers, da die Betätigung oftmals sehr schwergängig sein kann. Dies kann an einem schlechten Kupplungszug, zu engen Verlegeradien oder einer ungünstigen Geometrie von Pedalbock oder Betätigung am Getriebe liegen. Umbauten auf hydraulische Betätigung sind machbar und oft ein probates Mittel, so man ausreichend Platz für den Nehmerzylinder an der Pedalbox findet.
Bremsen muss man irgendwann auch, hierbei kann von einer simplen Bremse mit Scheiben vorne und Trommeln hinten bis zu Vierkolbenzangen mit innenbelüfteten Scheiben und entsprechend leistungsfähigen Scheibenbremsen an der Hinterachse alles verbaut sein.
Hierbei ist es erstmal wichtig, GENAU zu erfahren WAS da verbaut wurde. Die Aussage “Ford” reicht hier meistens nicht aus, spätestens wenn man Ersatzteile benötigt, wird die Suche unter Umständen eine Längere.
Auch zu prüfen ist die Funktion und Wirksamkeit der Handbremse.
Auf einem gerade Parkplatz mal scharf zu bremsen und zu beobachten, wie das Fahrzeug reagiert, kann auch sinnvoll sein. So mancher Seven hat die Tendenz an der Hinterachse zu überbremsen, was im Notfall schwer kontrollierbar ist und ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen kann. Dass das Fahrzeug beim Bremsen nicht zu einer Seite ziehen sollte, versteht sich von selbst, wobei je nach Auslegung und Einstellung der Achsgeometrie manche Fahrzeuge selbst den kleinsten Fahrbahnunebenheiten nachlaufen wir nur was.
Die Lenkung wäre der nächste Punkt. Die Leichtgängigkeit der zumeist sehr direkten Lenkungen (oft unter 2 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag) wird beeinflusst von Vorderachslast, Reifenbreite und Einpresstiefe der vorderen Felgen. Auch die Einstellung der Geometrie hat Einfluß, insbesondere aufs Eigenlenkverhalten inkl. Rückstellung und Geradeauslauf. Spiel, Geräusche und Ähnliches verbieten sich von selbst.
Elektrik ist meistens nicht viel dran an den Autos, aber oftmals wurde der übersichtliche Ausgangszustand vom Vorbesitzer “optimiert”. So fand ich bei meinem eigenen Caterham eine aus der Hausinstallation dienende Verteilerbox, unzählige Kabel mit Wagoklemmen, ein Radio usw… Bei Kitcars sieht das Kapitel vor allem im wenig einsichtbaren Bereich unterm Armaturenbrettt oft echt schlimm aus, hier aufzuräumen ist eine Aufgabe, welche etliche Stunden in Anspruch nehmen kann. Zur Elektrik gehört auch die Verkabelung im Motorraum, welche mich oft schaudern lässt. MERKE: Lüsterklemmen haben im Auto nichts verloren. Aber schon gar nix. Maximal zur Reparatur irgendwo in der Pampa.
Man sollte bei der Elektrik einmal alle Funktionen ausprobieren und sich gegebenenfalls vom Vorbesitzer erklären lassen.
Rissige und poröse Kabel können übrigens die schönste Ausfahrt vermiesen, man prüfe vorab - hier ist eine dezente Möglichkeit, mit dem Verkäufer in die Preisdiskussion zu gehen.
Ein elektrisches Bauteil, welches viel Ungemacht bringen kann, ist eine oftmals verbaute Wegfahrsperre (wurde sogar oft bei der Erstzulassung gefordert). Hierbei sollte man UNBEDINGT drauf achten, vom Vorbesitzer entsprechende Unterlagen (Bedienungsanleitung, Einbauanleitung u.Ä.) zu bekommen, dies erleichtert eine spätere etwaige Fehlersuche deutlich.
Das Interieur sagt oft viel über die Pflegementalität des Besitzers aus, ein paar Blicke können hier genügen und man weiß, wie oft gepflegt wurde. Gerade das offene Cockpit leidet unter der Sonneneinstrahlung und braucht öfter mal Zuwendung.
Nicht jeder Hintern passt in jeden Sitz, über die Sitzprobe habe ich im Kapitel Rahmen schon geschrieben, die Sitze sollten schon passen, denn klar - man kann Sitze tauschen, aber manche Fahrzeuge sind derartig speziell, dass nur EIN bestimmter Sitztyp wirklich reinpasst. So sind Sitze für frühe Westfield (genannt PreLit) nur mehr direkt bei Westfield erhältlich und absolut kein Sonderangebot.
Die Karosserie - so man dies so nennen kann - eines Seven wird man schon bei der ersten Annäherung bewundern, ein paar genauere Blicke sind aber angebracht. Risse und Sprünge in der Deckschicht (dem sogenannte Gelcoat) von GFK-Teilen sind kaum zu reparieren, stellen zwar eher einen Schönheitsfehler dar und kommen häufig vor. Wenn diese aber größer und tiefer werden, kann Feuchtigkeit ans Glasfasergewebe kommen und dann ist das GFK-Teil auszutauschen weil nahezu irreparabel.
Die Lackierung von großflächigen GFK-Teilen ist eine Wissenschaft für sich, hier können manche Fahrzeuge näheren Blicken kaum standhalten, andere sind wirklich gut und verdienen damit den Begriff Liebhaberfahrzeug - dies hat auf die Funktion des Fahrzeugs zwar wenig Auswirkungen, aber der Wert steht und fällt damit durchaus.
Zuletzt sollte man sich dem Zubehör des Fahrzeugs widmen, darunter fallen auch das Verdeck, die Türen, die Heckabdeckung sowie Tonneaucover, Fahrzeugplanen u.Ä. Ist das Zubehör in gutem, verwendbarem Zustand oder der Vorbesitzer nur zu faul, es selbst zu entsorgen?
Wobei verschlissene Cover u.Ä. durchaus noch als Schnittmuster dienen können, auch Beschläge sind wenn nicht mehr vorhanden, oft schwierig und teuer zu besorgen - so man überhaupt erfährt, woher das Teil ist.
Wenn dies ALLES in bester Ordnung ist, dann wird man jetzt kaum noch widerstehen können oder?
LANGSAM! Bitte erst das Kapitel zur “Legalisierung der neuen Liebe” lesen.